8. August 2026
JMAP statt IMAP | Warum das bessere Mailprotokoll kaum jemand benutzt
Das Protokoll, über das die meisten Mails abgerufen werden, stammt aus 1986. Der Nachfolger ist schneller, sparsamer und räumt auf. Trotzdem unterstützt ihn fast niemand.

IMAP + SMTP + CalDAV + CardDAV → ein Protokoll über HTTPS → ein Endpunkt, eine Anmeldung
Das Protokoll, mit dem Mailprogramme bis heute Nachrichten abholen, stammt aus dem Jahr 1986. Seither hat sich verändert, wie wir mit Mail umgehen: unterwegs, auf dem Telefon, mit einem Vielfachen an Nachrichten. Das Protokoll selbst blieb weitgehend, wie es war.
Was der Nachfolger besser macht
Weniger Gesprächigkeit. Ein IMAP-Client fragt fortlaufend nach: Was liegt in diesem Ordner, gibt es Neues, hat sich etwas geändert. Jede Frage ist ein eigener Weg zum Server und zurück. Über eine Mobilfunkverbindung summiert sich das und kostet Akku. Der Nachfolger dreht das um. Der Client merkt sich einen Stand und fragt nur noch, was sich seitdem geändert hat. Mehrere Anfragen lassen sich zudem bündeln, und das Ergebnis der einen kann direkt in die nächste einfließen.
Echte Benachrichtigungen. Damit eine Mail sofort auf dem Telefon erscheint, muss bei IMAP eine Verbindung dauerhaft offen bleiben. Mobile Betriebssysteme kappen solche Verbindungen im Hintergrund gern, dann kommt die Nachricht eben doch verspätet. Beim Nachfolger ist die Benachrichtigung von Anfang an vorgesehen und läuft über den regulären Zustellweg des Betriebssystems.
Ein Protokoll statt vier. Wer heute selbst einen Mailserver betreibt, jongliert mit IMAP zum Abholen, SMTP zum Versenden und zwei weiteren Protokollen für Kalender und Kontakte. Jedes mit eigener Konfiguration und eigenen Ports. Der Nachfolger deckt alles über eine Schnittstelle ab. Ein Endpunkt, eine Anmeldung, eine Sache zum Absichern statt vier.
Gewöhnliche Webtechnik. Weil alles über HTTPS läuft, lässt es sich hinter einem gewöhnlichen Reverse Proxy betreiben und nutzt denselben Port wie jede Website. Das umgeht ganz nebenbei ein praktisches Ärgernis: Manche Anbieter sperren die klassischen Mailports, manche Netze filtern Mail komplett.
Warum es trotzdem niemand benutzt
Es ist ein Henne-Ei-Problem, und beide Seiten warten aufeinander.
Die beiden meistgenutzten Mailprogramme der Welt unterstützen es nicht. Apple Mail spricht ausschließlich die alten Protokolle, angekündigt ist nichts. Outlook setzt ohnehin auf ein eigenes Verfahren und unterstützt es ebenfalls nicht. Damit fallen die Wege weg, über die der Großteil aller Menschen an ihre Mail kommt.
Thunderbird hat es fest eingeplant, priorisiert es aber zuerst im eigenen Maildienst. Fertige Programme gibt es, sie sind nur eben Spezialanwendungen und nicht das, was ohnehin schon auf dem Rechner liegt.
Auf der Serverseite sieht es ähnlich aus. Der verbreitetste Einstieg ins eigene Hosten baut auf einer Komponente auf, die das neue Protokoll nicht kann und deren Entwickler es auch nicht vorhaben. Bei den deutschen Postfachanbietern findet man es nirgends, auch nicht bei den datenschutzfreundlichen.
Was das praktisch heißt
Man muss sich nicht entscheiden. Ein Server kann beide Protokolle gleichzeitig sprechen. Das heißt, ein Umstieg auf der Serverseite ist möglich, während die vorhandenen Mailprogramme unverändert weiterlaufen. Gerät für Gerät, im eigenen Tempo.
Für den, der seine Mail selbst hostet, ist das der Punkt, an dem die Sache vom Bastelprojekt zu etwas Wartbarem wird. Für alle anderen bleibt es vorerst eine Randnotiz, bis eines der großen Mailprogramme mitzieht.